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Neu in München: Café Katzentempel

Ayla, Balou, Gizmo, Jack, Robin und Saphira bilden das Star-Ensemble eines neuen Münchner Cafés. Die gemischte Boy-and-Girl-Group tritt aber nur auf, wenn sie Lust dazu hat, denn es handelt sich um – Katzen!

Seit Mai ist das Café Katzentempel in der Münchner Türkenstraße geöffnet. Geschäftsführer und Gründer Thomas Leidner hat sich damit einen spontanen Traum erfüllt. Fünf Jahre lang hat er als Banker mit Derivaten gehandelt, sich dabei jedoch nie wirklich wohl gefühlt. Dann hat er gekündigt. Kurz darauf hat ihm seine Freundin zum 30. Geburtstag eine Reise nach Wien geschenkt. Und dort kam es zum schicksalhaften Besuch im ersten Katzencafé Europas. „Da habe ich gewusst: Das will ich machen!“ So einfach gesagt, getan ging es freilich nicht. „Die Finanzierung war sehr schwierig. Banken und Sparkassen haben den Kopf geschüttelt, obwohl ich die meisten aus der Branche ja kenne.“ Dann hat sich der Vorstand – und Tierfreund - einer Raiffeisen-Instituts aus dem Großraum München vom Businessplan Leidners überzeugen lassen. Jetzt musste eine Immobilie gefunden werden. Von 40 angeschriebenen Maklern machten fünf Vorschläge, die aber nicht passten. Schließlich hat Thomas Leidner via Internet seine Traumimmobilie in der Türkenstraße gefunden, mitten in Schwabing. Nun mussten Veterinäramt und Lebensmittelbehörden gewonnen werden. Hygiene ist oberstes im Café Katzentempel. Die Küche darf nur von der Köchin betreten werden. Leidner beschäftigt eine Vollzeitkraft (Köchin), sechs Küchenhilfen und vier Servicekräfte auf 450 Euro-Basis. Die Speisen werden durch eine Durchreiche – scherzhaft „katzenklappe“ genannt – an die Servicekräfte weitergereicht und sind selbstverständlich mit Clochen versehen. Die der Gast allerdings dann doch enthüllen darf. Findet danach ein Katzenhaar seinen Weg auf das Tempel-Sandwich (selbstgebackenes Brot, Saitan, Räuchertofu, frischer Salat 12.50 Euro) oder auf die Gemüsepfanne mit Kurkumareis, frischem Salat plus Cookie oder Espresso (7.50 €) findet, liegt das „Risiko“ beim Gast. Natürlich betreten nur Katzenfreunde das Café. Am Wochenende sollte reserviert werden, so groß ist der Andrang. Das Café hat 21 Tische mit 60 bis 70 Plätzen. Das Mobiliar besteht aus Bambus, die Speisen sind vegan. Thomas Leidner lobt sie als „pflanzlich“ aus, das komme bei den Gästen besser an als „vegan“. Die Kuchenauswahl umfasst Schoko-, Rübli- und Obstkuchen sowie – neu – Torten. Alkohol wird nicht ausgeschenkt. Ein alkoholfreies Biobier von Lammsbräu steht auf der Karte. Die Atmosphäre des Café Katzentempel ist heiter und kommunikativ. Viele Gäste brechen in Entzücken aus, wenn sie die Miezis sehen. Ein gewisser „Dutzi-Dutzi-Effekt“ ist nicht zu leugnen. Natürlich entscheiden die Katzen, ob sie spielen oder sich streicheln lassen wollen. Die Sechser-Gruppe – die Frauenquote beträgt 50 %! – darf sich jederzeit ins Katzenzimmer zurückziehen, das außer Thomas Leidner zur Fütterung niemand betreten darf (dort stehen auch die naja, die Kistchen eben). „Meine Gäste kommen miteinander ins Gespräch. Die Katzen sind ein eindeutiger Kommunikationsfaktor.“ Die Gästestruktur umfasst alle Altersklassen, Familien, Studenten, Schüler, Senioren. „Und Schicki-Mickis im D & G-Outfit, wir sind halt in München.“ Leidners Tierschutz-Engagement zeigt sich in Merchandising-Artikeln wie T-Shirts und Tassen, von deren Verkaufserlös ein Teil an Tierschutzorganisationen geht, und Spendenbüchsen. Alle seine sechs Rassekatzen stammen aus dem Tierschutz bzw. der Organisation Rassekatzen in Not. „Es braucht niemand zum Züchter gehen, um Superkatzen zu finden! Da appelliere ich an alle Tierfreunde!“ [Text und Fotos: Doris Losch] Weitere Informationen: www.cafe-katzentempel.de

2013-06-20