GastroFrühling 2019: Über 2.700 Hoteliers und Gastronomen zeigten Geschlossenheit und Stärke

München. – Am 29. April trafen sich auf dem Frühlingsfest in München über 2.700 Hoteliers und Gastronomen aus ganz Bayern. Präsidentin Angela Inselkammer ging im Hippodrom in einer Grundsatzrede auf die aktuellen Themen der Branche ein. Prominente Gäste waren unter anderem Finanzminister Albert Füracker, Justizminister Georg Eisenreich sowie der frühere Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer.

Angela Inselkammer griff in ihrer Rede die für Bayern existentielle Bedeutung sowie die Nöte und Forderungen des Gastgewerbes auf. So betonte sie, dass der Tourismus neben der Automobil- und Maschinenbauindustrie die wichtigste Branche in Bayern sei. Neben 10.000 Auszubildenden und Dualstudierenden gibt es 447.000 gastgewerbliche Erwerbstätige – 44 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren. Die Branche bildet jeden 10. Auszubildenden aus und beschäftigt jeden 17. Erwerbstätigen im Freistaat. Mit den 150.000 direkt zuordenbaren Erwerbstätigen in anderen Bereichen hängt von Hotellerie und Gastronomie sogar jeder 13. Erwerbstätige Bayerns ab.

Inselkammer kam zu den besonderen Herausforderungen, mit der sich die Branche tagtäglich auseinandersetzen muss. So kritisierte sie stellvertretend für die ausufernde Bürokratisierung im Gastgewerbe die Kassenrichtlinie, die Allergenkennzeichnungspflicht oder die peniblen Dokumentationen von Arbeitszeiten: „Kontrollen sind gut und wichtig, aber wir haben das Maß und Ziel aus den Augen verloren. Jede einzelne Vorschrift mag ja für sich sinnvoll erscheinen. Es ist aber die Masse der Vorschriften, die nicht mehr zu bewältigen ist.“

Die Forderung nach gleichen Steuern für Essen thematisierte die Präsidentin ebenso: „Unabhängig davon, wo gekauft, wie zubereitet und wo gegessen. Die Reduzierung der Umsatzsteuer für alle Lebensmittel würde allen Betrieben sofort die zum Überleben so notwendige finanzielle Luft verschaffen. Direkt und ohne Umwege. Und die im Anschluss stattfindenden Investitionen werden massiv positive Wirtschaftseffekte gerade auch im ländlichen Raum auslösen. Wir brauchen hier Chancengleichheit. Die Hotellerie hat es vorgemacht, dass es funktioniert.“

Das in den Medien derzeit omnipräsente Thema Hygienepranger „Topf Secret“ bewegt weiterhin die Gemüter im Gastgewerbe. Inselkammer warf der Politik vor, dass diese auf verantwortungslose Art und Weise Existenzen sowie Arbeitsplätze leichtfertig gefährde, dies sei reiner Populismus und habe mit Verbraucherschutz nichts zu tun. Inselkammer wörtlich: „Das ist Denunziantentum in Reinform.“

Inselkammer war auch beim Kernthema des Verbandes, der „Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes“, ganz klar; sie forderte die Politik auf, den Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen und nicht Parteiideologien, die auf dem Rücken von Wirten sowie Arbeitnehmern ausgetragen würden. „Angesichts weniger hundert Betriebsräte in einer Branche mit rund 225.000 Betrieben ist eine Öffnung nur mittels Betriebsvereinbarung keine Lösung, sondern eine Farce. Es geht uns explizit nicht darum, dass mehr gearbeitet werden soll. Es geht letztlich um eine flexiblere Aufteilung der Arbeitszeit innerhalb einer Woche, so wie es die EU vorsieht. Es muss ein Vollzeitjob in vier Tagen ermöglicht werden. Es kann mir keiner sagen, warum dies gesundheitsgefährdend sein sollte. Die Arbeit muss dann erledigt werden können, wann sie anfällt. Die Flexibilisierung wollen nicht nur die Wirte, das wollen vor allem auch die Angestellten. Die Angestellten wären in der Lage ihren Alltag flexibler zu gestalten und könnten somit besser auf die Bedürfnisse ihrer Familien eingehen“, so Inselkammer.

Ein die Branche bewegendes Thema ist auch die Verdienstgrenze des Minijobs. Präsidentin Inselkammer: „Eigentlich eine Selbstverständlichkeit: wenn der Mindestlohn steigt, muss auch die Verdienstgrenze beim Minijob angepasst werden. Es geht hier nicht um ein Instrument der Grundsicherung, sondern um eine Hinzuverdienst-Möglichkeit.“

Zum Schluss ihrer Rede brannte der Präsidentin noch die von der EU geplante Richtlinie, Leitungswasser per Gesetz kostenfrei auszuschenken, auf der Seele. Sie nannte das Vorhaben schlichtweg „verrückt“ und erinnerte an den Wert von Dienstleistungen, der auch honoriert werden müsse.

 

„In unserer Branche verkaufen wir keine Produkte – wir verkaufen Dienstleistungen. Für den Wirt und den Mitarbeiter ist es völlig unerheblich, ob sich Leitungswasser oder ein teures Getränk in dem Glas befindet – die entstehenden Kosten für Service, Heizung, Licht sowie für Einrichtung und Immobilie selbst bis hin zum Glas selbst, sind immer dieselben. Es wird eine Dienstleistung von Menschen für Menschen erbracht und diese ist etwas wert.“ Angela Inselkammer

(Quelle: DEHOGA Bayern)

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www.dehoga-bayern.de

Titelbild (v.l.): Thomas Förster, 1. Vizepräsident des DEHOGA Bayern, Albert Füracker, Bayerischer Staatsminister der Finanzen und für Heimat, DEHOGA Bayern-Präsidentin Angela Inselkammer, Thomas Brunner, 2. Vizepräsident des DEHOGA Bayern und Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern vor dem Hippodrom Zelt auf der Theresienwiese