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DEHOGA Bayern Präsident hält viel beachtete Grundsatzrede

|25.04.2012| Ausbildung, Löhne, Lebensmittelskandale, Mehrwertsteuerreduzierung? Alles Kritikpunkte, die in der breiten Öffentlichkeit kaum vorurteilsfrei diskutiert werden, wenn's ums Hotel- und Gaststättengewerbe geht. DEHOGA Bayern Präsident Ulrich N. Brandl will das nicht länger hinnehmen.

Full House im Hippodrom beim Wiesnwirt Sepp Krätz. Der DEHOGA Bayern hatte zum GastroFrühling 2012 eingeladen. Die zu erwartende „Brand-Rede“ von Ulrich N. Brandl lockte denn auch etwa 1.700 Verbandsmitglieder aus allen Teilen Bayerns nach München.

Die Gäste wurden keineswegs enttäuscht. Ulrich N. Brandl entzauberte unter der Überschrift „Welche Wertschätzung genießt die Branche – welches Bild wird gezeichnet?“ sattsam bekannte Vorurteile. Rhetorisch geschickt ging er dabei vor, in dem er die jeweiligen Branchen-Zerrbilder ins rechte Licht rückte.

So etwa unter dem Stichwort „Ausbildung“. Hier werden Stichworte wie Ausbeutung, höchste Abbruchquoten, wenig attraktive Arbeitszeiten und schlechte Arbeitsbedingungen genannt. Doch es gilt, die breite Öffentlichkeit auf die A-Seite der Medaille aufmerksam zu machen. Nämlich auf eine Ausbildung hinzuweisen, die weltweite berufliche Chancen bietet oder etwa ein direktes positives Feedback glücklicher Gäste ermöglicht, das zur eigenen Zufriedenheit führt. Alles Punkte, die in Diskussionen oftmals unter den Teppich gekehrt werden.

Nach der gleichen Systematik schlüsselte Brandl weitere Brennpunkte der Branche auf. So etwa, wenn er Wirte und Hoteliers ins Visier nimmt. Dazu der DEHOGA Bayern Präsident im O-Ton: „... zu allererst ist die Rede von Chaoten und Ausbeutern, Umsätzen, die wahrscheinlich eh am Finanzamt vorbeigeschleust werden und von Sprüchen wie ...wer nichts kann und nichts wird, wird eben Wirt ... Keine Rede davon, dass leistungsfähige Unternehmen und Unternehmer einen enormen und belegbaren Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg dieses Landes leisten, insbesondere bodenständige, ehrbare Familienunternehmer oft über Generationen hinweg nicht zuletzt auch einen wertvollen Dienst für das gesellschaftliche Leben leisten. Wirte und Hoteliers Arbeitsplätze insbesondere auch in den ländlichen Regionen schaffen, wo sich andere Branchen längstens zurückgezogen haben. Keine Rede davon, dass es gerade die Familienunternehmer der Branche sind, die hervorragende Nachwuchskräfte ausbilden, die nicht nur in den besten Hotels auf der ganzen Welt, sondern auch in vielen anderen Branchen heiß begehrt sind.”

Ulrich N. Brandl zog in seiner – immer wieder von Beifall unterbrochenen Rede, Parallelen zu anderen Branchen. Diese erreichten nicht die wirtschaftlichen Eckdaten des Gastgewerbes, genießen jedoch in der Öffentlichkeit eine wesentlich höhere Wertschätzung. So beispielsweise der Maschinenbau, die Fahrzeugindustrie oder das Bankengewerbe.

Dabei hat das Hotel- und Gaststättengewerbe das Zeug zur Leitökonomie. Auch dies belegte Brandl anhand von beeindruckenden Zahlen. Er berief sich dabei auf die aktuelle Studie des Bundeswirtschaftsministeriums zur Bedeutung des Tourismus für Deutschland:

Im Jahr 2010 haben Urlauber sowie Geschäftsreisende aus dem In- und Ausland in Deutschland Güter und Dienstleistungen im Gesamtwert von 280 Mrd. Euro in Anspruch genommen. Aufgrund dieser Umsätze hatten bei uns 2,9 Mio. Menschen, entspricht 7% aller Erwerbstätigen, einen Arbeitsplatz in Hotellerie und Gastronomie. Zum Vergleich: Im Maschinenbau sind es 976.000 Beschäftigte, in der Fahrzeugindustrie 790.000 und bei den Banken gerade mal 657.000 Beschäftigte.

Mit Blick auf den Tourismus in Bayern: hier sind 560.000 Erwerbstätige im Tourismus beschäftigt. Sie generieren einen Jahresumsatz von 31. Mrd. Euro. Bei AUDI und BMW zusammen genommen sind weltweit nur 164.000 Menschen beschäftigt. Des Weiteren: 315.000 Erwerbstätige - also fast doppelt so viele wie bei AUDI und BMW insgesamt – sind allein im Gastgewerbe tätig, 123.000 davon in der Beherbergung und 192.000 in der Gastronomie.

Alles in allem: Zweierlei dürfte den DEHOGA Bayern Präsidenten mit seiner vehement und emotional vorgetragenen Rede gelungen sein: zum einen hat er die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung von Politik und unbedarftem Betrachter von der Leistungskraft der Branche deutlich aufgezeigt. Zum anderen dürfte sein engagierter Appell an die Gesellschaft, neuen Auftrieb für ein gesundes Selbstbewusstsein vor allem beim kleinen und mittelständisch geprägten Hotel- und Gaststättengewerbe vermittelt haben.
(Brigitte Karch)

Weitere Informationen:
www.dehoga-bayern.de

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