Conrad Mayer: “Dem Münchner Gastgewerbe geht es derzeit gut, ABER …”

München. – Zur jährlichen Jahreshauptversammlung des BHG-Kreisvorstandes München lud Dipl.-Kfm. Conrad Mayer, Vorsitzender der Kreisstelle München, ein. Veranstaltungsort war die umgebaute und unter neuer Ägide stehende klassische Braugaststätte Paulaner am Nockherberg mit den Wirten Christian Schottenhamel und Florian Lechner.

Nach einem Exkurs in die bänglich stimmende weltpolitische Lage wandte sich Conrad Mayer (siehe https://www.facebook.com/dagusta/) erfreulichen Rekordwerten für Münchens Gastgewerbebranche zu.

 

Aber die Tourismus-Party in München und Bayern ist derzeit – trotz der dunklen Wolken am Horizont – Gott sei Dank noch nicht vorbei! Conrad Mayer

 

Auch die Übernachtungen in München im Jahr 2017 haben wieder einen Rekordwert erreicht: Aus Deutschland: 7,962 Mio. ÜF (+8,8% i.V.). Aus dem Ausland: 7,7 Mio. ÜF (+14,7%). Insgesamt konnte München mit 15,664 Mio. ÜF ein Plus von 11,7% im Vergleich zu 2016 verzeichnen.

Das Ranking der 10 wichtigsten Nationen für München 2017 führten die USA mit 995.000 (+19,4%) an, gefolgt von den Arabischen Golfstaaten mit 647.000 (+9,6%) sowie von Großbritannien/Nordirland mit 550.000 (+9,3%). Ebenso erreichten die Übernachtungen im 1. Quartal 2018 weiter hohe Wachstumswerte: aus Deutschland kamen +11,8% und aus dem Ausland +12,2%

Derzeit gibt es in München insgesamt: 595 (+ 16) Betriebe mit 89.509 (+ 5.923!) Betten. Dabei hält der Wachstumsboom unvermindert an.

Angesichts dieser Entwicklung und rund 60 neuen Hotelprojekten mit 12.000 Zimmern mahnt Conrad Mayern zu maßvollem Hotelwachstum: „Der Nachfragedruck für jeden einzelnen nimmt ab, auch wenn die Übernachtungen in München insgesamt weiter steigen.“ Zudem zeichne sich ein „Overtourism“, ein Pänomen, dass sich auch in anderen europäischen Innenstädten zur Belastung wird, ab.

In Sachen Airbnb und Co. die Stadt „Kampagne gegen Wohnraumvernichtung“ endlich umgesetzt. Doch zur endgültigen Anwendung sei man auf die Unterstützung des Landtags angewiesen.

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) bringe für Hotellerie und Gastronomie ein weiteres Riesenproblem mit sich.

Die Hotellerie ist die am stärksten digitalisierte Branche in Deutschland. Die Gastronomie dagegen zählt bisher zu den am schwächsten digitalisierten Branchen. Eine Ausnahme bildet die Systemgastronomie, die einen besonders hohen Digitalisierungsgrad aufweist. Und in dieser Situation trifft die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) uns alle, aber insbesondere die Hotellerie.  Conrad Mayer

Christian Schottenhamel. Foto: ©Brigitte Karch

Christian Schottenhamel, stellvertretender Kreisvorsitzender, ging in seinen Ausführungen u.a. auf den Fachkräfte- und Nachwuchsmangel ein. Hier habe man mit der IHK-Messe „jobFit“, auf der Top-Ausbildungsbetriebe vertreten sind, Signalwirkung nach außen erzielen können.

Bei der Prognose neuer Food-Trends (Food Report 2019 vom Zukunftsinstitut) fällt vor allem das Ende der Askese (Healthy Hedonism) und der Paradigmenwechsel in der Lebensmittelindustrie (De-Processing) auf.

Guido Zöllick: Wir wünschen uns mehr Wertschätzung in der breiten Öffentlichkeit

Der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland geht es zur Zeit sehr gut, konstatierte Guido Zöllick, seit anderthalb Jahren neuer Präsident des DEHOGA-Bundesverbandes, als Hauptredner auf der Jahreshauptversammlung. „Deutschlands Gastronomen und Hoteliers profitieren von der robusten Konjunktur in Deutschland und der damit verbundenen guten Konsumstimmung sowie von der weltweiten Reisefreude“, erklärte Zöllick, gab aber auch zu bedenken: Über 2,2, Mio. Beschäftigte, 53.000 Auszubildende, 222.365 Unternehmen und ein Branchenvolumen von über 85 Mrd. Euro seien zwar sehr erfreulich, „doch die Herausforderungen und Risiken nehmen für die Branche zu.“

DEHOGA Bayern Präsidentin Angela Inselkammer und Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes. Foto: ©Brigitte Karch

DEHOGA Bayern Präsidentin Angela Inselkammer und Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes: „Die Lobbyarbeit des Landesverbandes Bayern ist absolutes Vorbild, das beispielhaft für alle Verbände im DEHOGA ist!“ Foto: ©Brigitte Karch

Wichtig für Zöllick ist vor allem, dass nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Branche „die gesellschaftliche Rolle, die wir spielen, anerkannt wird und uns somit unverzichtbar macht“. Daraus resultiert mehr Selbstbewusstsein, um in der breiten Öffentlichkeit auch mehr wahrgenommen zu werden. In diesem Zusammenhang forderte Zöllick konsequenten Bürokratieabbau, die Reform des lebensfremden Arbeitszeitgesetzes und gleiche Steuern für Speisen. „Ein Zukunftsprogramm und Ausdruck von mehr Wertschätzung für die heimischen Gastgeber.“

Mit Bewunderung und Hochachtung kommentierte Zöllik die hervorragende Zusammenarbeit des DEHOGA Bayern mit der Bayerischen Landesregierung. Als „extrem gutes Beispiel“ nannte er die Lobbyarbeit des Landesverbandes Bayern. So richte sich beispielsweise das kostenlose DEHOGA Bayern Projekt „Partner Blitzberatung“, das mit Unterstützung der Landessregierung aufgelegt wurde, insbesondere an Kleinbetriebe aus Hotellerie und Gastronomie.

Conrad Mayer spricht im Video  wichtige Branchenprobleme des Münchner Gastgewerbe an.
Am Rande der Jahresversammlung erläuterte Gastgeber Christian Schottenhamel das neue Paulaner am Nockerberg-Konzept (https://www.facebook.com/brikada)

Autorin: Brigitte Karch
Weitere Informationen:
www.dehoga-bayern.de

Titelbild (v.l. im Uhrzeigersinn): BHG-Mitglieder; Vorstandsschaft der BHG-Kreisstelle Martin Stürzer, Gunilla Hirschberger, Christian Schottenhammel und Peter Inselkammer; Guido Zöllick, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes und DEHOGA Bayern Präsidentin Angela Inselkammer; Conrad Mayer und Christian Schottenhamel. Fotos: ©Brigitte Karch