Rotwein – gedreht und nicht geschwenkt – im innovativen VINOVAL-Glas

Mehr als nur ein Grund, im Gespräch mit dem ambitionierten Tüfftler, das VINOVAL-Konzept zu beleuchten. Zukunftsvisionen inklusive, die bereits zum jetzigen Zeitpunkt in der Eberhardschen Ideenwerkstatt heiß diskutiert und konkret geschmiedet werden.

Mit dem mundgeblasenen ovalen Weinglas mit Unikatcharakter dürften sich für die gehobene Hotellerie und Gastronomie wichtige neue Impulse im Weingeschäft ergeben. Auch die Braubranche liegt im Visier von VINOVAL.
 

 

Bildtext (r.): Tourismus-Wissenschaftler Prof. Dr. Theo Eberhard, créateur de verre. Foto: VINOVAL

 

Herr Prof. Dr. Eberhard, Sie sind Dekan an der Fakultät für Tourismus an der Hochschule München und lehren die Fachgebiete Volkswirtschaftslehre sowie Europäische Wirtschafts- und Verkehrspolitik. Wie kommt es, dass Sie sich – zu Ihrem vermutet hohem Arbeitspensum – zusätzlich mit Genuss-Optimierungen so intensiv beschäftigen, dass ein Gourmetglas für WeingenießerInnen dabei herauskommt?

Einer meiner Schwerpunkte ist die touristische Regionalentwicklung. Im Rahmen von Fallstudien haben wir uns regelmäßig mit Weinregionen, vor allem in Franken, beschäftigt. Ich war der Meinung, dass ein „Frankenglas“ das Image der Region durchaus stärken könnte – vorausgesetzt es ist eine echte Innovation und nicht nur eine weitere Variation von bekannten runden Gläsern.

Wer hat das Glasdesign kreiert?

Die anfängliche Idee von mir war, ein Glas mit der Form einer Boxbeutelflasche zu kreieren. Die Herstellung hat sich als ausgesprochen schwierig herausgestellt, der erste Prototyp glich eher einem Karpfenmaul als einem eleganten Glas. Aus der anfänglichen Enttäuschung (ein ovales Glas kann man nicht schwenken!) wurde nach der Entdeckung des Drehens um die eigene Achse ein großes Staunen, dass man mit so einem Glas Wein so viel besser zur Entfaltung bringen kann. Der ausführliche Selbstversuch hat sich gelohnt!

Sie können sich den Unterschied vielleicht so vorstellen: Im herkömmlichen Glas ruht der Wein eher wie in einem behäbigem Kanal, während im ovalen Glas die Frische eines Wildbaches zum Ausdruck kommt.

Bildtext (l.): Physiker Prof. Dr. Klaus Sailer. Foto: VINOVAL

 

Sie arbeiten mit Prof. Dr. Klaus Sailer zusammen – wer hat welchen Part bei VINOVAL übernommen?

Für uns bedeutet es viel Spaß, aus einer verrückten Idee eine Innovation zu machen. Nachdem ich Herrn Sailer die Idee vorgestellt habe, war er – als Physiker und Experte für Innovation und Entrepreneurship – sofort Feuer und Flamme. Wir haben dann zusammen die ersten Designs und Prototypen entwickelt und mit vielen Experten getestet. Während Herr Sailer sich vor allem um die Produktion, ständige Optimierung der Gläser und die notwendigen Partner konzentriert, übernehme ich vornehmlich die Vermarktung der Gläser.

Wie lautete Ihr selbstgestelltes Anforderungsprofil an das Weinglas?

Wie schon erwähnt, die anfängliche Form war eher Zufall. Beim Testen wollten wir zwei Dinge erreichen: Zum einen wollen wir eine Wirbelbildung erzeugen, die den Wein bestmöglich belüftet und atmen lässt und gleichzeitig durch die Verwirbelung Reaktionen anstößt, die neue Aromen im Wein freisetzen und zu einem neuem Geschmackserlebnis führen. Zum anderen wollten wir ein einzigartiges, zeitloses Design kreieren.

Über welche Eigenschaften verfügt das Glas – hinsichtlich zum Beispiel Bruchsicherheit, Schlierenbildung, Reinigung?

Wir sind mit dem Glas in bester Gesellschaft und arbeiten mit einem der namhaftesten Glashütten zusammen. Die Gläser werden ohne Bleioxid für den professionellen Einsatz in der Gastronomie und Hotellerie hergestellt. Sie sind robust, brillant, resistent gegen Trübung, beständig und spülmaschinenerprobt. Die Gläser sind durch ihre hohe Bruchsicherheit für den täglichen Einsatz konzipiert. Alle Gläser sind mundgeblasen und handgefertigt. Eine handwerkliche Meisterleistung höchster Güte.

 

Bildtext (o.): Die handgefertigten VINOVAL-Gläser sind aus hochwertigstem kristallinem Glas ohne Zusatz von Bleioxyd hergestellt. Sie sind spülmaschinentauglich, langlebig und auch bei regelmäßigem Gebrauch resistent gegen Trübung. Foto: VINOVAL

Von der Idee bis zum fertigen Glas – wie lange hat das gedauert? Welche Probleme mussten gelöst werden?

Das Projekt hat langsam gestartet, da ja der eigentliche Zweck, als Marketingobjekt für Frankenweine zu dienen, nicht mehr im Vordergrund stand. Als wir dann überzeugt waren von der phantastischen Wirkung, normalem Wein in "Quellwein" zu verwandeln, war die erste größte Herausforderung, eine Glashütte zu finden, die geeignete Prototypen herstellen konnte. Mit den ersten Gläsern konnten wir dann mit Experten testen und die Gläser weiterentwickeln. Das Problem bei der Produktion lag vor allem darin, brillante Gläser ohne Schlieren und Streifen zu produzieren. Da ovale Gläser beim Blasen nicht gedreht werden können, war und ist dies eine der größten Herausforderungen. Für die Produktion größerer Stückzahlen haben wir dann lange nach dem geeigneten Partner gesucht, der höchste, markterprobte Qualität in größeren Stückzahlen herstellen kann. Nachdem wir mit der Qualität zufrieden sind, starten wir jetzt mit der Vermarktung der Gläser.

Ist das Glas/das Konzept patentiert bzw. verfügt VINOVAL über Gebrauchsmusterschutz oder ähnliche Kopierschutzmaßnahmen?

Das Konzept ist weltweit zum Patent angemeldet. Zusätzlich haben wir auch internationale Designpatente für das ovale Glas.

Welche Firma hat das Glas gefertigt?

Es war eine schwierige Suche. Keine namhafte Glashütte war in der Lage hinreichende Stückzahlen in bester Qualität herzustellen, bis sich dann im Osten Europas doch noch der geeignete Hersteller fand …

 

Bildtext (o.): Die ovale Form des Glases entfaltet seine volle Wirkung, indem man es am Stiel mehrmals hin- und herdreht. Ein neues Ritual für Weingenießer. Foto: VINOVAL

 

Wie werden Fachwelt und VerbraucherInnen auf Vinoval aufmerksam?

Mit der Vermarktung stehen wir am Anfang. Wir werden aber sicherlich alle Kanäle bedienen, die sich an ein gehobenes Publikum wenden, das Wert auf das ganz andere Geschmackserlebnis legt und Freude an einem außergewöhnlichen Design hat.

Wie wird das Glas distribuiert? Bzw. welche Absatzkanäle visieren Sie an?

Das Glas kann direkt unter www.vinoval.de bestellt werden. Allerdings liefern wir die Gläser auch direkt an die Hotellerie, Gastrounternehmen und Weinlieferanten. Darüber hinaus diskutieren wir gerade mit möglichen Partnern, die das Glas mit vertreiben und auch über Shop-in-Shop-Systeme. Wie schon erwähnt, wir sind mit der Vermarktung noch am Anfang und freuen uns über alle, die an einer Partnerschaft interessiert sind.

Was hat es mit der kanadischen Website www.vinoval.ca auf sich?

Unsere Hochschule hat eine Kooperation mit der Ryerson-Universität in Kanada. Dort haben Studierende im Rahmen eines Studienprojekts sich für die Vermarktung des Glases in Kanada interessiert. Sie haben eine Homepage aufgesetzt und vermarkten das Glas nun in Kanada.

Uns ist es wichtig, dass wir mit diesem Projekt auch unseren Studierenden die Möglichkeit geben, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.

Sie haben sicherlich erste Reaktionen auf VINOVAL? Welche?

Auf den ersten folgt immer sofort der zweite Blick: das Glas ist anders, ungewöhnlich, unerwartet! Die Leute wollen es in die Hand nehmen, drehen üben. Und spätestens dann kommt der Geschmackstest und es gibt kaum jemanden, der danach nicht überzeugt ist. Ein namhafter Sommelier sagte mir, dass das Glas fantastisch geeignet ist, um mit dem Kunden über das Glas in Beziehung zu treten. Beziehungsmarketing!

 

Bildtext (o.): Das Glas hat einen Durchmesser von 97 mm bzw. 82 mm und ist 239 mm hoch.

 

Ist Vinoval komplett ausgereift? Vielleicht noch einen Eichstrich hinzufügen?

Wir haben viel mit Experten getestet und sind der Meinung, dass das Glas ausgereift ist. Natürlich wird es Weiterentwicklungen geben. Wir und die Experten sind der Überzeugung, dass die jetzige Glasform für die unterschiedlichen Weinsorten gleichermaßen geeignet ist. Evtl. gibt es in Zukunft weitere Modelle – allerdings ohne der Versuchung zu erliegen, für jede Rebsorte ein anderes Glas vorzustellen. Das ist gerade das Schöne an VINOVAL: das Glas erhöht die Qualität sowohl von qualitativ sehr hochwertigen Weinen als auch vor allem von jungen Durchschnittsweinen erheblich.

Wir testen derzeit auch Gläser für Weißwein (obwohl die derzeitige Größe auch wunderbar funktioniert) und vor allem auch für Schnaps. Bei Schnaps zeigt sich vor allem eine Geruchsintensivierung nach dem Drehen.

Einen Eichstrich haben wir nicht vorgesehen, da dieser den Gläsern die Eleganz nimmt und vor allem in der gehobenen Gastronomie und im Privatbereich keine Eichstriche üblich sind.

Werden Sie weitere Gläser kreieren, z.B. ein Glas, das die aktuelle Craft-Bier-Szene aufmischen könnte?

Wie erwähnt, testen wir gerade Weißwein- und Schnapsgläser. Auch haben wir schon mit Champagner und Bier getestet. Der Effekt ist faszinierend. Wir sind bereits mit Bierglasherstellern im Gespräch, um ein geeignetes Glas für Bier zu konzipieren.

Herr Prof. Dr. Eberhard, wir danken für das Gespräch!

(Die Fragen stellte Brigitte Karch)

Weitere Informationen:
www.vinoval.de

Titelbild: Tourismus-Wissenschaftler Prof. Dr. Theo Eberhard, créateur de verre, und Physiker Prof. Dr. Klaus Sailer (l.), beide München. Fotos: VINOVAL; Bildmontage: Brigitte Karch