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Symposium Feines Essen + Trinken: Individuelle Wünsche und zwar sofort

Das diesjährige Symposium Feines Essen + Trinken stand unter der Überschrift „Cross-Channel-Food – Die Zukunft hat gestern begonnen“. Und die ist spannend. Erzeuger, Handel und Gastronomie tun gut daran, sich sofort darauf einzustellen.

 

Hier zwei Beispiele aus der Agenda des Symposiums Feines Essen + Trinken in München.

Béatrice Gauillaume-Gradisch, Vorstandsvorsitzende der Nestlé Deutschland AG, blickt in die „Foodwelten 203“ und skizziert die ziemlich nahe Zukunft: Personalisiertes Essen gewinne an Bedeutung, gesunde Convenience mit Zeitsparbonus (am liebsten binnen 10 Minuten sei die Mahlzeit heiß in der Folie und nicht unbedingt auf dem Teller!), Verbraucher strebten gesundes Altern an, immer dichter werde digitale Vernetzung.

„Die Konsumenten wollen sich ernähren und nicht nur satt werden.“ Und sie stellten sich Fragen wie„Welcher Ernährungstyp bin ich? Welchen Stellenwert haben Essen und Trinken für mich?. Immer individueller und situativer werde entschieden, was gegessen und getrunken wird und damit eng verknüpft: Wo kaufe ich ein? Soll ich überhaupt kochen?

Als klare Trends zeichneten sich, so Béatrice Guillaume-Gradisch, der Wunsch nach Natürlichkeit ab, „Frei-von-Produkte“, sprunghaftes Handeln (Flexitarier). „Geschäftsmodelle im Handel werden neu definiert. Die digitale Transformation von Unternehmen nimmt Fahrt auf.“

Erhebliche Auswirkungen schreibt die Vorstandsvorsitzende der Dynamik in der Bevölkerungsstruktur zu, der Urbanisierung, Single-Haushalten, Überalterung, nicht zuletzt den Migrantengruppen, die mit Sicherheit Einfluss auf den Food-Bereich nehmen würden. „Das alles setzt neue Regeln.“

Als „Treiber“ der Entwicklung benennt sie „Ernährung als Weltanschauung“ und „Pragmatismus statt Romantizismus“.

Für 2030 sieht sie für die Lebensmittelwirtschaft u.a. folgende Strömungen: Ressourcenschonende Ernährung, Ernährung zur Selbstoptimierung, gemeinschaftliches Essen. Das eigentliche Sattwerden rücke an die letzte Stelle.

Die Verbraucher 2030 seien emanzipiert, anspruchsvoll, individuell, flexibel und viel weniger loyal.

Lebensmittelindustrie und Handel müssten sich vom Versorger zum nachhaltigkeitsorientierten Dienstleister für maßgeschneiderte Problemlösungen.

Apps für alles und jedes

Die Verlagerung vom „Desktop-Einkaufen“ hin zu Mobile-Bestellungen und Voice-Shoppen via Alexa sei bereits in Schwung, stellt Rocco Bräuniger, Director Consumables bei Amazon Deutschland, fest.

Amazon bietet hierzu eine ganzes App-Füllhorn an, wie Prime (Gratislieferungen am selben Tag, u.a. in München), Kindle-Leihbücherei, Prime Music etc.

„Prime Pantry“ ermöglicht Kunden das Befüllen ihres Einkaufswagens mit kleinen Konsumgütern wie Shampoo oder Zahnpasta, „ein Konzept, das sich rechnet!“. In Italien sei es bereits „durch die Decke gegangen“, in Deutschland bestehe noch Luft nach oben.

„Prime Now“ kann Bestellungen im Ein- und Zwei-Stundenrhythmus liefern. „Das sehr gut angenommene Modell wendet sich an Verbraucher, die z.B. unerwartet Gäste bekommen oder etwas vergessen haben. Eine typische Kombination ist übrigens Wein und Kondome.“

Die meisten Einkäufer stört – heute noch - das Anstehen an der Kasse. Hier könnte das neue „Just walk out“-Modell die Lösung sein mit seinem „No lines, no check out“, das derzeit in Seattle getestet werden.

Amazon als Vertriebspartner nutzt derzeit in Deutschland erstmals Tegut und vertreibt sein Trockensortiment u.a. über Amazon Prime Now und Amazon Pantry.

Anm. d. Verf. : Der kurz nach der Geburt eingepflanzte Chip mit dem Strichcode fürs Leben dürfte nicht mehr weit sein. Ein Fingerdruck drauf und die Bestellung incl. Zustellung ist getätigt, vom Babybrei über das Kondom bis zum Gehwägelchen und der Rheumasalbe.

In Berlin testet der Internethändler seit Anfang Mai das Konzept Amazon Fresh.  Amazon Prime-Kunden werden frische Salatköpfe, frisches Obst, frische Milch etc. nach der SMS-Bestellung sozusagen bis in die Küche geliefert. In den USA, UK und Japan feiert diese frische Linie bereits Erfolge.
Autorin: Doris Losch


Weitere Informationen:
www.symposium-feines-essen-und-trinken.de

2017-05-06