Münchner Stadtmuseum zeigt Glanzstücke der Silberschmiede M. T. Wetzlar

Wie Kurator Dr. Florian Dering bei der Vernissage in Anwesenheit von Dr. Charlotte Knobloch, der Grande Dame der jüdischen Kultur in Deutschland, betonte, soll die Ausstellung dazu beitragen, „eine Münchner jüdische Familie mit ihrer renommierten Silberwerkstatt, die 1938 arisiert wurde und damit in Vergessenheit geriet, angemessen zu würdigen“.

Bildtext (Detail): Das Ratsbesteck der Stadt München war bis 1980 "in Betrieb". Foto: Münchner Stadtmuseum 

Für die Stadtgeschichte und speziell für die Rathaus-Gastronomie ist das Jahr 1930 wichtig. Damals entwarf Heinrich Wetzlar das 8361 Teile zählende Ratsbesteck, das nun nach mehr als 30 Jahren erstmals wieder glänzen darf. Aufgedeckt ist ein Teil davon mit dem von Wolfgang von Wersin entworfenen Ratsservice aus der Nymphenburger Porzellanmanufaktur.

Bildtext: Edle Tischkultur mit dem Ratsbesteck aus der Silberschmiede M. T. Wetzlar und Nymphenburger Porzellan. Foto: Münchner Stadtmuseum

Die Geschichte der Münchner Silberschmiede beginnt 1857, als Moses Tobias Wetzlar von Hessen nach München zog und ein eigenes Silberwarengeschäft eröffnete. Bald war das ab 1903 in der Maximilianstraße ansässige Ladengeschäft eine erste Adresse für die feine Münchner Gesellschaft. Damals war das handgefertigte Tee- und Kaffee-Service für Münchens bürgerliche Kreise eine Selbstverständlichkeit. Wetzlars Silberarbeiten zeichnen sich durch eigene Entwürfe und hohe Verarbeitungsqualität des in der Regel dickwandigen Silbers aus. 1907 verlieh Prinz Rupprecht von Bayern dem Geschäft den Titel „Hoflieferant Seiner Königlichen Hoheit“. Das Unternehmen blühte, vor allem Heinrich Wetzlar, einer der Söhne des Firmengründers, sorgte für künstlerische Impulse. Mit der Machtübernahme der Nazis litt die Firma unter Repressalien, 1938 folgte die Zwangs-„Arisierung“ und zerstörte die bürgerliche Existenz der Familie. Rund 70.000 Reichsmark wurden der Familie gezahlt – theoretisch, denn letztendlich kam kein Pfennig bei den Wetzlars an, es gab da die perfide „Reichsfluchtsteuer“…

Der letzte aus der Familie, Heinrich Wetzlar, kehrte 1956 nach München zurück. Er konnte aber nicht mehr in seinem angestammten Berufsfeld tätig sein und arbeitete in der Porzellanmanufaktur Nymphenburg. Mit seinem Freitod 1974 erlosch die Familie.

Das Stadtmuseum bemüht sich, wie Dr. Florian Dering nachdrücklich sagte, „die Erwerbungen der NS-Zeit genauer zu betrachten“. Auf LostArt (wo auch einige Gurlitt-Gemälde im Internet zu sehen sind) zeigt das Museum Werke unklarer Herkunft aus dem eigenen Bestand.

Bildtext (Detail): Das Ratsbesteck der Stadt München war bis 1980 "in Betrieb". Foto: Münchner Stadtmuseum 

Beim Anblick der wunderbaren Wetzlar-Silberwaren wird einem klar, dass schimmerndes Silber in der Antike mehr galt als Gold. Prunkstücke der Ausstellung sind u.a. eine Silberkanne mit geschnitztem Griff aus der Zeit von ca. 1910, ein bezauberndes Tee-Service von 1929 und ein Kaffee- und Tee-Service von 1915. Prunkvolle Tafelaufsätze, Tabletts, Schüsseln, eine zierliche kleine Sparkasse mit silbernem Schlüsselchen … es gibt so viel zu sehen! Ein Besuch der Ausstellung lohnt sich auf jeden Fall für alle Freunde edler Tafelkultur. Schatten auf all‘ die Schönheit wirft natürlich die Geschichte, die ebenfalls in Wort und Bild dargestellt wird.
Doris Losch

M.T. Wetzlar Silberschmiede in München gegründet 1975 – arisiert 1938, 21. Februar – 17. August 2014, Münchner Stadtmuseum am St. Jakobsplatz.

Weitere Informationen:
www.muenchner-stadtmuseum.de

Titelbild: Das Ratsbesteck der Stadt München war bis 1980 "in Betrieb". Foto: Münchner Stadtmuseum